Bison

DAS WAR GROSS. WIRKLICH RICHTIG GROSS.

Richard Irving Dodge war nicht nur Oberst der United States Army und erfolgreicher Buchautor, er war auch recht eng mit dem Zoologen und Taxidermisten (so heißt der Beruf des ‚Tierpräparators‘ wirklich) William Temple Hornaday befreundet. Das könnte uns heute eigentlich herzlich egal sein, wenn es da nicht diesen einen Brief von 1871 gäbe, den Officer Dodge an Mr. Hornaday schickte. Auf Hornaday kommen wir später noch zurück, im Moment wollen wir sehen, was diesen Brief zu etwas so Besonderem machte.
Das waren im Grunde zwei Zahlen. Als Soldat kam Dodge selbstverständlich ganz schön rum im Land und begegnete dabei natürlich auch immer wieder mal Bisons, also Wildrindern, die zwar keine Büffel sind, aber von den Amerikanern mit bemerkenswertem Gleichmut als ‚Buffalos‘ bezeichnet werden. Jedenfalls teilte der Oberst in seinem Schreiben an den Zoologen mit, er habe soeben eine Bisonherde passiert, die eine Breite von 25 Meilen (ca. 40 Kilometer) und eine Länge von 50 Meilen (ca. 80 Kilometer) gehabt habe. Hornoday griff flugs zum Stift und rechnete aus, dass diese eine einzige Herde aus ungefähr vier Millionen Tieren bestanden haben muss.

Das waren viele. Wirklich richtig viele.
Nun gab es natürlich wesentlich mehr Herden in Nordamerika und Kanada, als diese eine, sodass man schnell noch ein bisschen weiterrechnete und den Gesamtbestand an Bison auf ca. 60 Millionen Tiere schätzte (eine Zahl, die sich später als viel zu hoch herausstellte und auf ca. 25 bis 30 Millionen nach unten korrigiert wurde). Natürliche Fressfeinde hatten die mächtigen Geschöpfe (Bullen: 900 Kilogramm, bis zu 1,90 Meter Schulterhöhe, Kühe: 500 Kilo, 1,50 Meter) kaum und das Habitat war nicht nur riesengroß, sondern bot vor allen Dingen Unmengen an Gräsern, der erklärten Lieblingsspeise der Tiere. Und die paar Individuen, die den nativen Amerikanern das Leben und Überleben ermöglichten und ihnen entsprechend zum Opfer fielen, fielen ganz sicher auch nicht ins Gewicht. Zumindest nicht bis 1871.

Das war nicht gut. Wirklich gar nicht gut.
1871 passierten nämlich in Europa zwei Dinge: 1871 hatten die Gerber entdeckt, dass sich aus der besonders kräftigen, dicken Bisonhaut neben quasi unkaputtbaren Schuhsohlen auch die allerhaltbarsten Antriebsriemen für Industrie- und Landwirtschaftsmaschinen fertigen ließen. Zweitens aber – und das war weit schlimmer – begannen alle europäischen Staaten gleichzeitig damit, ihre Armeen neu auszustatten, wofür unglaubliche Mengen an Lederstiefeln benötigt wurden. Und eben an Leder. Bisonleder.

Das Schlachten begann.


Das war knapp. Wirklich richtig knapp.
Jedenfalls leisteten sie innerhalb weniger Jahre ganze Arbeit: Von den geschätzten 25 bis 30 Millionen 1871 lebten im Jahr 1894 noch ganze – halten Sie sich fest – 800. Achthundert! 200 davon im Yellowstone Nationalpark, der zu der Zeit schon Naturreservat war.

Dass überhaupt noch ein paar Tiere dieses Massaker überstanden, ist übrigens unter anderem unserem Mr. Hornaday zu verdanken, der 1886 eine Expedition durchführte und sofort verstand, dass die Bisons unmittelbar vom Aussterben bedroht waren. Er schrieb ein wichtiges Buch zum Artenschutz, gründete das ‚Department of Living Animals‘ und setzte sich für die Einrichtung von Naturreservaten ein.

Das ist gut. Wirklich richtig gut.
Und zwar doppelt: Durch das starke Engagement Einzelner und später auch der Politik konnte der Bison gerade noch so gerettet werden. Heute leben um die 20.000 Tiere vollkommen frei und wild – Tendenz steigend – und ca. 400.000 werden in privaten Herden gehalten.

Und dann ist da das dunkelrote, ursprüngliche Fleisch: Es ist besonders cholesterinarm und mager, enthält reichlich Eisen, Zink und Selen und ist deutlich feinfaseriger, als Rindfleisch.

Diese Eigenschaft bringt uns zum Abschluss zu einem wichtigen Tipp: Nach dem Grillen (erst sehr heiß direkt und kurz, danach indirekt auf gewünschte Kerntemperatur bringen) schlagen Sie das Stück in Alufolie ein und lassen es 15 bis 20 Minuten ruhen. Erst dann kommen Konsistenz und vor allem dieses unfassbar gute Bison-Aroma voll zum Tragen.

Unsere BISON-DELIKATESSEN

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