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Wild

Born to be verirrt

Wer schon einmal auf einer einsamen Landstraße mit dem Auto unterwegs war, dabei einem Fasan begegnet ist und dessen un- bis schwachsinnige Versuche beobachten konnte, sich vor der vermeintlich drohenden Gefahr in Sicherheit zu bringen (was genau sehr oft unweigerlich zum Tod des Vogels führt), der kann gut nachvollziehen, wo der Begriff ‚Wild‘ seine Wurzeln hat. Im Althochdeutschen bedeutet ‚wildi‘ nichts anderes als ‚ungezähmt‘ oder ‚verirrt‘. Beim Fasan möchte man an passender Stelle zu gerne noch ein ‚W‘ einfügen, dann wäre es perfekt.

Erst mal sortieren
Dass ein ‚Jäger‘ im schönsten Bürokratendeutsch ‚Jagdausübungsberechtiger‘ heiß, wussten Sie schon? Gut, dann können wir uns ja gleich dem Tierreich zuwenden. Denn ‚Wildheit‘ ist ein relativ dehnbarer Begriff, weswegen wir uns zunächst kurz mit Definitionen und Aufteilungen beschäftigen müssen.

Als ‚Wild‘ gelten zunächst einmal alle an Land lebenden Wirbeltiere, die - im Gegensatz zu Fischen (Fischbare) und Schnecken, Fröschen und Insekten (Sammelbare) – genau: gejagt werden können. Das ist schön, hilft uns aber nicht wirklich weiter, weil das ja schließlich auch auf Goldhamster, Kolibris, Pokémon oder Katzenbabys zutreffen würde. Darum hat unser Bürokrat nochmal scharf nachgedacht und schließlich die Ergänzung ‚jagdbare wildlebende Tiere‘ gefunden. Sie müssen also frei herumlaufen oder -fliegen, dürfen keinen Besitzer (wirklich, Jagdwild gilt als besitzerlos) und das Pech haben, gut zu schmecken und zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Schon besser.

Grundsätzlich unterscheidet man (Überraschung) zwischen Haar- und Federwild (was das bedeutet, erklären wir jetzt einfach mal nicht). Beim Haarwild ist für uns Kenner und Könner vor allem die Gruppe des ‚Schalenwilds‘ interessant. Hierbei handelt es sich natürlich weder um Muscheln noch um Schildkröten, sondern um die biologische Ordnung der Paarhufer, deren Klauen in der Jägersprache als ‚Schale‘ bezeichnet werden. Interessanter Weise zählen zu dieser Gruppe, neben Hornträgern und Geweihträgern, auch die überaus köstlichen Wildschweine.

Kein Berg, kein Baum. Aber eine Pyramide.
Wenn Ihnen schon einmal der Begriff ‚Hoch‘- oder ‚Niederwild‘ begegnet ist: Haben Sie da auch (so, wie wir) gedacht, dass die einen oben in den Bergen (oder zumindest auf Hängen und Bäumen) leben und die anderen unten auf der Wiese und im Busch? Sehen Sie, darum ist es so wichtig, sich mit den Dingen zu beschäftigen (und mit echtem Faktenwissen sind Sie der Held jeder Party). Aber der Reihe nach.

Zum ‚Hochwild‘ gehört sämtliches Schalenwild mit Ausnahme des ‚Rehwilds‘ (warum das so ist, werden Sie wenige Zeilen später verstehen), früher zählte man auch Bären, Fasane, Luchse oder Kraniche hierzu. Grund dafür war und ist keineswegs das jeweilige Habitat, sondern die Tatsache, dass diese Tiere damals als so besonders hochwertig / selten / prestigeträchtig galten, dass ihre Bejagung ausschließlich dem (Hoch-) Adel vorbehalten war (‚hohe Jagd‘, schließlich saßen die Herrschaften ja auch auf dem ‚hohen Ross‘).

Als ‚Niederwild‘ galt alles, wofür die gut berittenen blaublütigen Pudernasen kein Interesse zeigten und was entsprechend vom niederen Volk gejagt werden durfte - also der ganze faunale Rest und eben auch die vergleichsweise häufigen, kleinen und leichten ‚Rehe‘, die darob als eines Adelsgaumens für unwürdig empfunden wurden.

Wenn es also in diesem Zusammenhang überhaupt irgendwie um ‚Höhe‘ geht, dann um die der gesellschaftlichen Pyramide, die oben bekanntlich ja ziemlich spitz ist.

Keine Bange
Auch, wenn es den einen oder anderen jetzt überraschen mag: Wild ist keineswegs eine Seltenheit und gilt auch ausdrücklich nicht als bedroht. Alleine in Deutschland werden jährlich ca. 500.000 Wildschweine, 1,1 Millionen Rehe, 400.000 Wildenten, jeweils 250.000 Hasen und Kaninchen und weit über 100.000 Fasane geschossen und verspeist. Und diese Quoten haben – bitte beachten – den Effekt (und den Sinn), dass die Populationen gesund und stabil bleiben und die Habitate und Ökosysteme nicht überfordern.

Jedes Jahr werden in Deutschland nur etwa 30.000 Tonnen Wildbret verzehrt, was einem Durchschnitt von ca. 500 Gramm pro Person pro Jahr entspricht. Die durchschnittlich konsumierte Fleischmenge dagegen beträgt insgesamt ca. 60 Kilogramm. 

Es ist und bleibt nunmal eine besondere und relativ seltene Delikatesse, das Wild.

Auch gut.

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